3.
David
Zügig verließ David die Einliegerwohnung über der kleinen Werkstatt im Erdgeschoss eines freistehenden Häuschens. In dieser verbrachte er üblicherweise einen Großteil seiner Arbeitszeit und reparierte dort allerhand Gerätschaften aus dem Haus seines Chefs. Doch jetzt schenkte er den Werkzeugen und dem vorherrschenden Geruch von Maschinenöl und Reinigungsmitteln keine Beachtung. Die Tür knarrte müde, bevor sie hinter ihm mit einem Knallen ins Schloss fiel.
David eilte über einen Kiesweg, weiß wie die makellosen Zähne eines Superstars aus einer Zahnpasta-Werbung. Elegante Steinbegrenzungen trennten das Weiß vom saftigen Grün des englischen Rasens, für den eigens ein Greenkeeper eingestellt wurde. Er passierte Statuen, farbenfrohe Blumenbeete und betrat die Auffahrt, die direkt zu der Villa hinauf führte.
»Verdammte Scheiße«, fluchte David verhalten, der noch immer an dem Telefongespräch zu knabbern hatte. Er ballte die Hände zu Fäusten. Was fällt diesem Mistkerl ein, so mit mir zu sprechen?
Ein zorniges Brennen flutete seine Stirn und er war sich sicher, dass sein Gesicht rot leuchtete. Doch sein Zorn galt nicht nur van Knauer – sondern auch sich selbst. Er war wütend. Verdammt wütend sogar. Im Grunde hatte sein Chef nämlich recht. David war in letzter Zeit ein Totalausfall. Aber nicht, weil er kein Talent für seinen Hausmeisterjob besaß. Im Gegenteil. Das Reparieren und Pflegen von Wohnanlagen lag ihm sehr. Allerdings litt seine Arbeitsleistung und Qualität unter dem Stress, der seit Monaten auf ihm lag. Verfickte Schulden, dachte er und knirschte mit den Zähnen. Der Druck auf seinen Schultern wog schwer – das rote Minus auf dem Konto war nur der sichtbare Teil. Und dann war da seine und Tinas Hochzeit gewesen. Eine Heirat ohne Gäste, ohne Essen, ohne Feier. Einfach nur Tina und er zu zweit auf dem Standesamt. Ganz geheim und intim. Vollkommen anders, als es sich seine Frau gewünscht und erträumt hatte.
Tina hatte zu ihm gehalten. Sein Versprechen angenommen, die Hochzeitsfeier in guten Zeiten nachzuholen. Mit dem ganzen Drum und Dran. Wie es sich gehörte. Und obwohl sie sich während der Trauung gutgelaunt und verliebt gegeben hatte, war David der traurige Schimmer in ihren Augen nicht entgangen. Und deswegen schämte er sich. Diese Scham wog so schwer, dass sie zusätzlich zu den alten Problemen sein Denken belastete.
Jene Mischung aus Überlastung und Scham war es, die seine Arbeitsqualität ins Bodenlose fallen ließ. Er war ständig mit dem Kopf woanders – machte Fehler, vergaß Termine, als wäre es Alltag – und das war van Knauer nicht verborgen geblieben.
David seufzte schwermütig, als er die Villa erreichte, an deren rechter Flanke sich ein flacher Anbau befand: die Garage. Er ging auf das breite Tor zu, schloss es auf und schob es zur Seite. Sofort drang ihm die Duftmischung aus Benzin und Leder entgegen. Eigentlich mochte er diesen Mix, aber der Termindruck verbot ihm jeden Genuss. Gehetzt ging er an den hochwertigen Autos vorbei, passierte den Luxus-Mercedes, den aufwendig folierten Audi R8 und den Jaguar F-Type. Als er schließlich den Porsche Carrera erreichte, blieb er stehen und stemmte die Hände in die Hüfte. Jetzt musste es schnell gehen.
Entschlossen, den Chef zu beeindrucken, zog er seinen schweren Schlüsselbund aus der Tasche, der neben allen wichtigen Schlüsseln zum Haus auch die der Autos enthielt. Der Porsche piepte motiviert, nachdem er entriegelt wurde.
David trat an den Sportler heran und strich mit dem Zeigefinger über den Lack. Das Fahrzeug war nicht übermäßig staubig, doch für den anstehenden Fototermin musste er wie geleckt aussehen. Zumindest das Stoffverdeck war in einem bildfähigen Zustand. So gab er per Fernbedienung einen Befehl, der das Dach einfahren ließ. Zum Vorschein kam weißes Leder, das sich über Sitze und Teile der Konsolen spannte. Er musterte die Ausstattung und beschloss, mit der Reinigung des Innenraumes zu beginnen. Im Anschluss würde er das Verdeck schließen und sich dem Lack zuwenden.
Er klopfte seine Arbeitshose ab. Und das gründlich. Es wäre ihm nicht zu verzeihen, wenn er Schmutz am Hintern hätte, den er ins Auto übertrug. Als er sich sicher war, dass seine Kleidung sauber war, öffnete er die Tür und ließ sich auf dem Fahrersitz nieder. Der Motor erwachte mit einem Röhren zum Leben.
David fuhr das Auto aus der Parkposition heraus, lenkte es vorsichtig durch die Garage und kam vor der fest installierten Sauganlage neben der Eingangstür zum Stehen. Er parkte rückwärts in einer Nische ein. Der Lärm des Motors erstarb, Ruhe kehrte ein. David stieg aus, startete die Anlage und machte sich an die Arbeit.
Gut eine halbe Stunde später hatte er jeden Krümel, jeden Fussel, jeden Fremdkörper aus dem Innenraum entfernt. Er reinigte die Displays, die Armaturen und alles, was durch fehlenden Glanz negativ auffallen würde. Im Anschluss betrachtete er sein Werk und nickte zufrieden. Van Knauer musste sich Mühe geben, um David irgendeinen Schmutz nachweisen zu können.
Er kehrte auf den Fahrersitz zurück. Abermals brüllte der Motor und zeugte von der Kraft, die in ihm steckte. Für einen Moment hielt er inne. Horchte dem Fahrzeug. Warf einen sehnsüchtigen Blick auf die eleganten Knöpfe, den Schalthebel und auf das kunstvolle Leder. Wäre ich doch nur reich, dachte er neidisch und malte sich aus, wie es wäre, viel Geld auf dem Konto zu haben. Tina würde sich in diesem Fall vor Geschenken und Luxus nicht mehr retten können. Er und sie würden ein glückliches Leben führen können, ohne den finanziellen Druck, ohne all die Probleme. Seine Frau könnte in Ruhe studieren und backen. Und wer weiß, vielleicht konnte sie mit dem erlernten Wissen eine großartige Karriere starten und sich selbst verwirklichen. Aber am wichtigsten war, dass sie ihre Hochzeitsfeier nachholen konnten – mit allem, was das Herz begehrte.
Er riss sich aus seinen Gedanken. Ein solches Leben würde er niemals haben. Und als wolle das Schicksal ihn auslachen, schickte es ihm genau in diesem Moment sein nächstes Desaster.
David legte einen Gang ein. Fuhr los. Doch entgegen dessen, was er geplant hatte, rollte das Auto nicht vor, sondern zurück. Zu sehr in Gedanken, zu wenig bei der Sache – er hatte den falschen Gang eingelegt. Als er seinen Fehler bemerkte, war es bereits zu spät – er krachte in ein Regal, das an der Rückwand der Nische stand. Der Aufprall war nicht hart – dazu fehlte es an Geschwindigkeit – und doch reichte er aus, um das Metallgestell so zu verbiegen, dass es kollabierte und auf das Auto kippte.
David schrie, sein Körper erstarrt – eiskalt vor dem, was gleich über ihn hereinbrechen würde. Regalbretter krachten auf den Porsche, zerkratzten Lack und Kunststoff. Farbdosen stürzten wie Bomben auf das Interieur – einige platzten auf, spuckten Lack und Lasur in jede Spalte, überschwemmten weißes Leder, spritzten in das Cockpit, benetzten die Scheiben und sickerten in Teppiche.
Davids Herz krampfte. Er war wie versteinert und nicht imstande, sich zu bewegen. Ein Tropfen Farbe rann an seiner kreideweißen Wange herunter. Er wusste, dass er es mehr als nur vermasselt hatte. Dass er versagt hatte. Dass nun alles anders werden würde. Und dass der Preis höher sein würde, als er es sich je hätte ausmalen können.
Copyright © 2025 Kim F. Wolf
Kapitelübersicht:
Nice to know: Nach wem habe ich Tina und David gestaltet?
Nun, der junge Mann ist tatsächlich frei erfunden. Seine Frau Tina hingegen ist nach einer Freundin von mir gestaltet, die sich unter dem Einfluss von etwas zu viel Wein gewünscht hat, einmal in einer meiner Geschichten vorzukommen.
Und zwar als Protagonistin, die in Sachen Sex vor eine ziemlich harte Probe gestellt wird.
Tja, und manchmal erfülle ich eben die Wünsche meiner Liebsten! 😈
Zack – Tina war in der Story.
Name, Aussehen und einige ihrer Charakterzüge habe ich übernommen. Nur der Nachname ist neu. Ein kleines bisschen Privatsphäre darf schließlich auch bei mir noch sein. 😉
Und wie hat es ihr gefallen?
Nun, sie war begeistert – gleichzeitig aber auch ziemlich sicher, dass ihr selbst ein solches Abenteuer, wie es ihr Geschichten-Ich erlebt, niemals widerfahren würde. Obwohl sie dann doch ziemlich lange mit mir über das Thema „Analsex“ und „Analdreier“ reden wollte. Verdächtig, nicht wahr?
Nun, liebe Tina … du bist noch jung.
Wer weiß, auf welchen Schabernack du dich in deinem Leben noch einlassen wirst. 😉
Und an dich, lieber Leser: Wenn auch du einmal Teil einer meiner Geschichten werden möchtest, dann schreib mir ruhig. Erzähl mir ein bisschen über dich – und wer weiß, vielleicht landest du irgendwann tatsächlich zwischen meinen Seiten.
Aber sei dir bewusst: Was du mir über dich erzählst, bleibt in meinem Kopf. Und zwischen meinen Beinen, wenn der Kontext heiß genug ist. :-*
#Datenschutz 😇
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