Tja, diese Frage ist etwas ganz Besonderes. Kaum ein Elternpaar träumt davon, dass die geliebte Tochter, wenn sie erwachsen ist und flügge wird, den Weg einer Pornodarstellerin einschlägt. Diese Industrie kämpft auch heute noch mit vielen Vorurteilen – obwohl einige davon längst überholt sind.
Ich kann davon ein Lied singen. Meine Eltern führen zwar einen modernen Lifestyle und sind nicht konservativ unterwegs, und doch waren sie äußerst froh darüber, dass ich nach der Schule schnell eine »normale« Ausbildung angefangen habe. Die treuen Leser von euch wissen, dass mich die Corona-Pandemie kurz nach Beendigung meiner Lehre zur Kfz-Mechatronikerin aus dem Job gekickt hat – die Zeiten waren hart für kleine Werkstätten wie die, in der ich sehr, sehr gerne gearbeitet hatte.
Dem Jobverlust folgten dutzende Bewerbungen. Alle verliefen im Sand. Die Rechnungen stapelten sich und ich war kurz davor, meine Wohnung aufgeben und gescheitert zu meinen Eltern zurückkehren zu müssen. Doch dann kam alles anders … Dank meiner jetzigen Lebenspartnerin bekam ich einen Fuß in die Pornoindustrie. Nach anfänglicher Skepsis wurde aus dem notwendigen Übel eine Leidenschaft. Dachte ich zunächst noch, dass ich nur eine Handvoll Filme drehen würde, um zumindest ein paar Monate über die Runden zu kommen, änderte sich das schnell.
Ich war von Beginn an relativ erfolgreich. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich eine Top-Darstellerin war. Nein. Erfolgreich bedeutete für mich, meine monatlichen Kosten decken zu können. Meine Videos hatten ein paar hundert Downloads pro Woche, ein Großteil davon bezahlt. Ich begann, Blut zu lecken. Es machte mir fortan Spaß, Intimität in gefüllte Kühlschränke, Benzin und Lebensqualität umzuwandeln.
Hätte ich nur wenige Filme gedreht und meine »Karriere« sofort nach Erreichen meiner Geldziele wieder beendet, hätte ich meinen neuen Job auf ewig vor meiner Familie geheim gehalten. Ja – ich hätte das Geheimnis mit ins Grab genommen. Doch mit der wachsenden Zahl an Filmen wurde der Wahrheitsdruck in mir stärker. Und nicht nur das. Auch die Angst wuchs.
Denn eines ist klar: Je mehr Filme von einem im Netz kursieren, desto größer wird die Gefahr, dass Freunde oder Verwandte irgendwann zufällig darüber stolpern. Denn hey – irgendwer schaut die Pornos. Irgendwer sorgt für die Klickzahlen. Warum also nicht auch Menschen, die mir nahe stehen?
Ich wollte selbst diejenige sein, die meinen Eltern mein neues Business gesteht. Ich hätte es nicht ausgehalten, wenn mein Vater durch einen Kollegen auf meine Videos aufmerksam geworden wäre.
»Hey, ist das nicht deine Tochter, die sich da von den beiden Kerlen bumsen lässt?«
Ne. Ich wollte die Kontrolle behalten.
Als ich dann, ich schätze, rund fünfzehn Filme online hatte, war der Moment gekommen. Ich hatte mir tagelang einen Text zurechtgelegt und mir vorgenommen, einen angemessenen Zeitpunkt abzupassen und es meinen Eltern zu beichten. Aber das war viiiiieeeel schwerer als zunächst gedacht. Immer wieder, wenn sich die Chance ergeben hatte, kniff ich im letzten Moment. Immer wieder. Mein Mut sank von Tag zu Tag.
Doch dann kam der Tag aller Tage. Ich lud meine Mutti und Vati zu mir in die Wohnung zum Essen ein. Zunächst war alles ganz normal. Wir witzelten. Aßen Pasta mit Frischkäsesoße. Selbstgemacht. Mit viel Liebe und Mühe. Wieder fiel es mir mit jeder Minute schwerer, ihnen das Geheimnis anzuvertrauen. Und das schlug dann auf meine Stimmung. Ich wurde ruhiger, ohne dass ich es hätte verhindern können. Meine Mum bemerkte als Erste, dass etwas mit mir nicht stimmte, und begann nachzubohren. Und jeder weiß, wie Mütter bohren können.
Also begann ich, ihnen von meinen Problemen zu erzählen. Als ich dann zu dem Punkt kam, an dem ich berichtete, wie ich diese Probleme anging, klappte den beiden die Kinnlade herunter. Zumindest glaubte ich das – denn ich hatte mich nicht getraut, ihnen dabei in die Augen zu sehen.
Ich konnte es nicht verhindern und fing an zu weinen. Jedoch nicht, weil ich den Weg, den ich eingeschlagen hatte, bereute. Nein. In diesem Moment fiel trotz des offenen Gesprächsausgangs eine derart schwere Last von mir ab, dass ich das Wasser nicht zurückhalten konnte. Meine Eltern deuteten mein Weinen zunächst falsch – und das war mein Glück. Sie begannen direkt, ihre Tochter zu trösten. Gaben sich keinen Raum, eventuell Wut oder etwas in der Art zu entwickeln. Und obwohl ich wusste, dass dieser zärtliche Moment der reinen Verwirrung geschuldet war, tat mir der Trost unendlich gut.
Ich beruhigte mich. Sammelte mich. Und konkretisierte mein Geständnis. Erklärte den beiden, dass es mir als Pornodarstellerin fantastisch ging. Dass es keinen Zwang gab, dass alle nett und aufrichtig zu mir waren, dass mir kein Leid angetan wurde. Alles, was vor der Kamera passierte, war freiwillig und harmonisch. Erregend. Zärtlich. Wundervoll.
Meine Eltern waren zunächst skeptisch. Doch je mehr ich erzählte, desto ruhiger und entspannter wurden sie. Ich spürte sofort, dass sie hinter mir standen. Und als dann alles erzählt war, weinte ich wieder. Vor Glück.
Im Grunde hat dieses Geständnis meine Eltern ziemlich geschockt. Nach dem Abendessen habe ich zwei Tage nichts von ihnen gehört, was mich skeptisch machte. Denn immerhin hatten wir stets einen guten Draht zueinander, und die Funkstille machte mich nervös. Doch dann klingelte es eines Abends an der Tür. Da waren sie wieder. Mit Blumen und Pralinen. Ich war zunächst verwundert, doch sie erklärten sich schnell. Entschuldigten sich und erzählten, dass sie meine Beichte erst verdauen mussten. Dass das nicht leicht war. Aber dass sie mich unterstützen wollten, so weit es ihnen möglich war. Und zack – ich habe wieder geheult. Ein Wasserfall war nichts dagegen.
Sie sagten, dass sie sich davon überzeugt hätten, dass es mir gut ginge. Dass mir, wie ich ihnen versichert hatte, kein Leid zugefügt wurde. Ich nickte zunächst, bevor ich wirklich verstand, was diese Aussage bedeutete. Urplötzlich wurde mir flau im Magen. Ich bekam Schnappatmung. Einen rasenden Puls. Ich hatte plötzlich Schweiß an Stellen, die ich bis dato nicht kannte.
Sie hatten sich vergewissert, dass es mir gut ging!
SIE HATTEN EINEN MEINER FILME GEFUNDEN UND ANGESEHEN!
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mir jemals etwas so derart peinlich gewesen war. Klar, die beiden wussten, wie ich nackt aussehe. Es sind meine Eltern. Das ist normal. Ich habe zum Beispiel oft geduscht, während meine Mutter im Bad anwesend gewesen war. Ich habe mich vor ihnen umgezogen, wenn auch abgewandt, wenn mein Dad dabei stand. Und trotzdem … Meine alten Herrschaften hatten mich beim Sex gesehen. Porno-Sex! Und das war eine krasse Sache. Wirklich, wirklich …
Welchen Film hatten sie denn gefunden? Einen sinnlich-romantischen mit Girl-on-Girl-Action? Einen harten Dreier? Einen Analsexfilm? Einen Gangbang? Meinen Debütfilm mit der Sexmaschine und dem ultrapeinlichen Interview, das ich während des Maschinenverkehrs geben musste?
Oh Gott. Hilfe. 😅
Und doch war dieser Schock der Preis, den ich zahlen musste, um ihre Akzeptanz zu erwirken. Und das war mir wichtig. Ich weiß, eigentlich sollte ich meinen Weg gehen, ohne mich allzu sehr auf das zu konzentrieren, was andere über mich denken. Auch wenn es meine Erzeuger waren, um die es sich handelte. Aber was soll ich sagen? Das habe ich nicht hinbekommen. Ihre Akzeptanz war mir wichtig. Irgendwo bin und bleibe ich ein Kind. Ihr Kind. Punkt aus.
Irgendwann, viele Wochen später, habe ich mich doch noch dazu durchringen können, meine Mum zu fragen, was sie denn von mir gesehen hätten. Und tja – die Antwort war schlimm: alles. Zumindest fast.
Die beiden Hobbydetektive hatten meinen OF-Account herausbekommen. Weiß der Geier, wie sie das geschafft hatten. Und dort hatte ich alle Videos. Alle. Und viele weitere waren geplant und im Zulauf. Der Gedanke, dass meine Eltern einen Account erstellt und meine Videos erworben hatten, war strange – wer könnte es mir verdenken?
Ich gestand ihr, dass mich das schon ziemlich schockierte. Sie gab mir recht und versicherte, dass sie die Filme nicht ganz gesehen hätten. Dass sie nur sichergehen wollten, dass alles mit rechten Dingen zuging. Hat mich das beruhigt? Jein. Irgendwie schon – und irgendwie nicht.
Ich wollte zwar, dass sie wussten, wie ich mein Geld verdiente. Aber zusehen sollten sie mir dabei nicht. Oh Gott.
Ich versuchte mir vorzustellen, wie sie es taten. Saßen sie mit Popcorn vor ihrem Laptop? Oder mit Stift und Papier, um sich jede Szene, die ihnen nicht passte, schriftlich festzuhalten? Oder kniffen sie die Augen mit halb abgewandtem Kopf zu, um ja nur das Nötigste zu sehen, das sie sehen mussten?
Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran. Aus dem anfänglichen Schock wurde Normalität. Irgendwann redeten wir ganz locker über das Business. Sie verfolgten, wie meine Tätigkeiten in die Breite gingen. Dass ich nicht nur Filme vor der Kamera drehte, sondern auch mal hinter dieser stand. Dass ich anfing zu schreiben, zu synchronisieren, zu vermarkten. Meine Mutter liest sogar meine erotischen Geschichten. Da mein Vater mit Büchern nichts anfangen kann, weiß ich nicht, ob er die Texte in Gänze kennt. Zumindest mein Hörbuch hat er durch – und mag es. Uih. Das von ihm zu hören, war auch irgendwie speziell.
Wir wuchsen als Familie dichter zusammen. Das war mein Eindruck. Unser Kontakt wurde auf ein neues Level der Ehrlichkeit und Transparenz gehoben. Auch die Gespräche veränderten sich. Wir wurden offener zueinander. Auch ich konnte beziehungsweise musste einiges von den beiden erfahren, was mich oft mit hochrot erhitztem Gesicht zurückließ. Naja – irgendwoher muss ich meine »Lust« ja vererbt bekommen haben. 😉
Ich weiß, dass meine Eltern mich unterstützen. Egal, was ich tue, solange es mir gut dabei geht. Und das tut es. Ob ich heute besser damit klarkomme, dass Mama und Papa meine Streifen kennen? Joah … ein bisschen. Aber das reicht.
Wie ist es bei dir? Wie ehrlich kannst du in puncto Sexualität gegenüber deiner Familie sein? Wirst du unterstützt oder verurteilt? Oder ganz anders: Was würde passieren, wenn du erfahren würdest, dass deine Kinder in der Industrie arbeiteten?
Lass es mich wissen – ob hier oder per Mail. Es interessiert mich sehr. 💌
Kim :-*